Weinviertel Saarbrücken

So mal schnell zwischendurch entdeckt: ein historischer Weinkeller in Saarbrücken, Richard-Wagner-Str. 11, in der Nähe des Bahnhofs. Erbaut 1905. Zumindest hat der Steinmetz diese Zahl in den Sandstein gehauen. Heute wartet hier offensichtlich nicht mehr der Wein in Kisten auf seine Käufer, sondern der Müll auf seine Abholung

Prunkvoller Abgang zum Weinkeller im Hinterhof (unten) und Rebenornament im Torbogen (oben): Richard-Wagner-Str. 11, Saarbrücken

Bei Saarbrücken denkt niemand an Weinhistorie. Hier erwartet man höchstens die Spuren einer Industriegeschichte: Brebacher und Burbacher Stahlhütten, Kohleschiffe und Bierkneipen. Als der Weinkeller gebaut wurde, war das aber noch anders. Im Bliesgau, an den die Landeshauptstadt grenzt, produzierten die Bauern Wein – und so ganz scheußlich kann er nicht gewesen sein, denn die Deutschen schickten den daraus gewonnenen flaschengegärten Sekt auf die Weltausstellung nach Paris. Das war im Jahr 1900. Mit intensiver Kohleverhüttung und Stahlproduktion kam das Aus für den Weinbau. Die Bewohner bauten den Trochitenkalk, auf dem ihr Wein gewachsen war, nun untertage für die Stahlverhüttung ab, und arbeiteten selbst in den Stahlweken. Mit dem Anschluss an Nazi-Deutschland 1935 und der Kriegsvorbereitung in den Stahlwerken von Stumm und Röchling stieg der Bedarf an Lohnarbeitern schlagartig an. Der Weinbau wurde nun systematisch unterbunden. Heute zeugen nur noch Gemarkungsnamen von dieser Zeit.

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